

Meine Mutter ist eine gebürtige Stuttgarterin
Ingeborg brachte vier Kinder zur Welt, und mit drei älteren Geschwistern aufzuwachsen, war für mich ein Geschenk. Dass sie viele Jahre in der Spielwarenabteilung beim Breuninger arbeitete, verlieh meiner Kindheit einen ganz eigenen Zauber.
Mein Vater, Karl Sandner, sang in drei Chören und war Musiker aus tiefster Leidenschaft. Er lebte seine innere Freiheit offen und ohne Zögern – wann immer es ihn überkam, begann er zu singen, als gäbe es kein Publikum und keine Grenzen. Dieses gelebte Selbstverständnis hat meinen eigenen Lebensweg auf leise, aber nachhaltige Weise geprägt.
Als Stuttgarter ist man vielerorts willkommen. Man sagt uns Ideenreichtum, Bodenständigkeit und Ehrgeiz nach – Eigenschaften, die mir so manche Tür geöffnet haben. Ich durfte hindurchgehen, Räume betreten und sie bereichert wieder verlassen.
Und doch scheinen wir Schwaben uns bisweilen selbst im Wege zu stehen: wenn es darum geht, das Unbekannte zu umarmen, das Gute bewusst zu genießen oder uns selbst mit Nachsicht und Zuneigung zu begegnen. Wer jedoch einen Stuttgarter zum Flirt herausfordert, gewinnt nicht selten eine Freundschaft fürs Leben.
Unsere Stadt ist reich – reich an Schönheit, an Geschichten, an stillen und lauten Momenten.
Wer behauptet, „Stuttgart sei ein Dorf an der Autobahn nach München“, der blickt nicht wirklich hin – oder ist in der Vergangenheit stehen geblieben.
Uwe A. Sandner